Diablo 3, Path of Exile, Titan Quest, Grim Dawn oder Guardians of Ember?

Genau diese Frage stellte ich mir in den let­zten 7 Tagen. Ich hab näm­lich mal wieder richtig Lust auf ein gutes Hack & Slay-Spiel, das ich die näch­sten Wochen gemein­sam mit mein­er Frau spie­len kann. Da ich mich allerd­ings nicht so ganz entschei­den kon­nte, habe ich ver­gan­gene Woche ein­fach ver­schiedene Hack & Slays ein paar Stun­den ange­spielt. Bis auf Grim Dawn hat­te ich alle Titel bere­its irgend­wann mal (durch)gespielt und kon­nte deswe­gen schon vorher aus­re­ichend Erfahrun­gen sam­meln. Manche davon hat­te ich bere­its hier auf dem Blog geschildert (siehe Infokasten).

Review — Dia­blo 3
Review — Titan Quest
Review — Path of Exile
Review — Guardians of Ember

Nichts destotrotz hat sich natür­lich auch einiges in den ver­gan­genen Wochen, Monat­en oder Jahren in den Spie­len geän­dert, sodass sich ein neuer Blick dur­chaus gelohnt hat. Falls ihr ein anderes Hack & Slay empfehlen kön­nt, dann kön­nt ihr das gerne in die Kom­mentare schreiben. Genau­so dürft ihr natür­lich auch kom­men­tieren, wie entset­zt ihr seid, dass ich schein­bar der einzige Men­sch bin, der das Charak­er­sys­tem von Path of Exile nicht mag 😀

Diablo 3

Den Anfang macht Dia­blo 3: Reaper of Souls. Das ist wohl auch der Titel, den ich von den oben genan­nten am läng­sten gespielt habe. Ich kann mich noch gut dran erin­nern, wie ich mich damals bei Release des Haupt­spiels geärg­ert hat­te, weil ein­fach so gut wie alles auf das Auk­tion­shaus aus­gelegt war und es nun­mal keinen Spaß machte, sich die Items zu shop­pen anstatt auf gute Drops zu warten.

Bliz­zard hat es dann kurz vor Release des Addons geschafft, das Rud­er kom­plett rumzureißen und hat dann wirk­lich eine ganze Zeit lang gute, neue Inhalte ins Spiel gebracht. Neue Gebi­ete, Paragon-Lev­el oder auch eine Art Horadrim-Wür­fel. Das hielt auch alles eine ganze Zeit lang an und sorgte für soviel Moti­va­tion, dass ich gut und gerne 300 zusät­zliche Spiel­stun­den investiert habe.

Jet­zt hat Bliz­zard vor eini­gen Monat­en den Totenbeschwör­er + ein paar neue Gebi­ete veröf­fentlicht und ich stelle fest, dass so langsam aber sich­er die Luft raus ist. Zum 50. mal Belial leg­en. Zum 30 Mal Haed­wigs Frau “erlösen”. Noch dazu ist es in den ver­gan­genen Monat­en und auch bere­its vor Veröf­fentlichung des DLC sehr still um das Spiel geworden.

Es fehlen neue Inhalte!

Derzeit fehlen: Ein paar neue Sets oder ein neuer Akt oder neue Spielmo­di, etc. Ich hab nach sovie­len Stun­den fast alles schon gese­hen. Und irgend­wie fehlt mir der Anreiz noch mehr Zeit zu investieren. Ger­ade von den Sea­sons bin ich schw­er ent­täuscht. Hier hätte man eine super Möglichkeit gehabt alle paar Monate neue Inhalte einzufü­gen oder das Spiel mit beson­deren, saison­spez­i­fis­chen Spiel­regeln  etwas abwech­slungsre­ich­er zu machen. Stattdessen gibts einen neuen Por­traitrah­men und 2–3 optis­che Gim­micks. Das reicht ein­fach nicht. Und die Ankündi­gung Bliz­zards, dass es bei der Bliz­zcon 2017 nichts Neues zu Dia­blo 3 gibt, sorgt nicht ger­ade für Vorfreude.

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Path of Exile

Ich hat­te es ja schon ange­sprochen. Ich werde mit dem Skill­sys­tem in Path of Exile ein­fach nicht warm. Ich erk­läre es mal den­jeni­gen, die es bish­er noch nicht gespielt haben: In Path of Exile kann jede Klasse grund­sät­zlich alles skillen und jeden Zauber benutzen. Es gibt also keine abge­gren­zten Tal­ent­bäume, son­dern einen riesi­gen Tal­ent­baum mit hun­derten von Skills. Wer möchte, kann sich also the­o­retisch einen Krieger erstellen und den mit Feuerza­ubern ausstat­ten und mit Intel­li­genz-Attribut­en skillen.

“The­o­retisch”. Denn eure Klassen­wahl hat insofern Auswirkun­gen darauf, wo ihr im Tal­ent­baum startet. Wenn ihr euch den Tal­ent­baum als Karte vorstellt, dann begin­nt der Krieger im Süd­west­en. Die Intel­li­gen­zskills befind­en sich aber ganz im Nor­den. Um nach Nor­den zu kom­men, müsst ihr erst zig Skillpunk­te investieren. Und die sind logis­cher­weise begren­zt. Wenn ihr Pech habt, müsst ihr also ne Menge Zeug skillen, das ihr wed­er wollt noch braucht und wenn alle Skillpunk­te aufge­braucht sind, habt ihr das Prob­lem, dass ihr zuviel Mist geskillt habt.

Jet­zt sagt ihr: Dann spiel halt ne Magierk­lasse, wenn du zaubern willst. Also erstell ich mir ne Hexe und zaubere drauf los. Merke aber schnell, dass ich doch gerne auch ein biss­chen im Nahkampf austeilen möchte und dass unten im Süd­west­en des Kriegerbaumes einige coole Tal­ente steck­en. Ich müsste dann aber wieder ganz vom Nor­den in den Süd­west­en skillen. Gle­ich­es Prob­lem wie vorher.

Jet­zt sagt ihr: Dann spiel halt nen Scion. Der befind­et sich direkt in der Mitte des Tal­ent­baumes und hat kurze Wege in den Magier­baum und kurze Wege in den Kriegerbaum. Jet­zt frag ich mich allerd­ings, ob es auf höheren Schwierigkeits­graden über­haupt sin­nvoll ist, so ne ges­pal­tene Charak­terk­lasse zu spie­len, die 50% der Punk­te im Magier­baum hat und 50% im Kriegerbaum.  Erst recht auch deswe­gen, weil ich auf den Wegen zu den einzel­nen Bäu­men, eine Menge Boni oder pas­sive Eigen­schaften skille, die ich über­haupt nicht benötige. Ich brauche keinen Begleit­er­schaden — muss ich aber skillen, wenn ich zu Tal­ent Y möchte. Man­are­gen­er­a­tion? Brauch ich nicht. Aber ich muss es unter Umstän­den mitskillen.

Für mich ist das Talentsystem von Path of Exile ein riesiger Sandkasten, in dem ich schnell merke, dass ich lieber mit vorgefertigten Legosteinen spielen möchte.

Das Tal­entsys­tem ver­wässert die Klassen. Ich habe Angst mich zu ver­skillen und ärg­ere mich, wenn ich zwin­gend etwas skillen muss, was ich nicht möchte. Das ist ein­fach nicht meine Welt. Und das nervt mich auch ein Biss­chen. Weil das Spiel hat sich im Ver­gle­ich zu meinem ersten Test vor ein paar Jahren wirk­lich gut gemacht. Aber das nützt alles nichts, wenn mich schon so grundle­gende Dinge stören.

Grim Dawn

… von den Mach­ern von Titan Quest. Und ich liebe Titan Quest. Grim Dawn gefällt mir nicht so gut. Wieso, das lässt sich leicht sagen:

Das Set­ting dreht sich über­wiegend um Dämo­nen in ein­er apoka­lyp­tis­chen Welt. Nach 25 Jahren Dia­blo und vie­len set­tings­gle­ichen Spie­len, gewin­nt das für mich keinen Inno­va­tion­spreis. Auch werde ich mit diesen “okkul­ten Klassen” ein­fach nicht so warm.

Vom Game­play her stimmt das Meiste. Tre­f­fer­feed­back. Abwech­slung unter den Geg­n­er­typen. Die Item­spi­rale wirkt. Gesproch­ene Texte. Einige nette Ideen wie z.B. Ruf­frak­tio­nen inklu­sive Rufhändlern.

Der größte Neg­a­tivpunkt in Grim Dawn ist und bleibt für mich allerd­ings die (grafis­che) Präsen­ta­tion. Das fängt schon bei den Bewe­gun­gen und Zauberan­i­ma­tio­nen meines Spielcharak­ters an. Viel schlim­mer find ich jedoch die Optik der Land­schaft und der Gebäude. Als ich las, dass das Spiel von den Entwick­lern von Titan Quest pro­duziert wurde, hat­te ich auf ein Grafik­feuer­w­erk aller erster Güte gehofft. Aber Grim Dawn — das zehn! Jahre nach Titan Quest auf den Markt kam, sieht trotz­dem wesentlich hässlich­er aus. Und das liegt nicht wirk­lich an der Tech­nik. Schaut man genau hin, sieht man recht schnell, dass die Effek­te prachtvoller sind und die Umge­bung noch detail­liert­er. Es liegt vielmehr am all­ge­meinen Stil des Spieles.

Es gibt Spiele, bei denen sieht die Spielwelt aus wie ein Kunstwerk. Bei Grim Dawn wirkt die Welt recht generisch und unschön.

Das mag man nach ein­er Weile gar nicht mehr wahrnehmen, weil im End­ef­fekt das Game­play zählt. Aber wohl fühl ich mich dort eigentlich nicht. Das bekom­men andere Titel wie Path of Exile, Dia­blo 3 aber auch Titan Quest wesentlich bess­er hin.

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Guardians of Ember

Im Dezem­ber let­zten Jahres startete das Spiel in den Ear­ly Access und hat­te zu dem Zeit­punkt mit vie­len Prob­le­men zu kämpfen. Es gab starke Laten­zprob­leme, die so groß waren, dass der Tre­f­fer erst mit 500 — 1500ms angezeigt wurde. Der Kampf hat sich dadurch sehr schwammig ange­fühlt. Es gab kein Tre­f­fer­feed­back bei getrof­fe­nen Geg­n­ern. Die Ingamezwis­chense­quen­zen waren zum Fremd­schä­men. Es gab keine Sprachaus­gabe und nur kurze, lieblose Dialoge. Keine nen­nenswerte Sto­ry. Es gab Pay2Win-Vor­würfe, weil man teil­weise auch hand­feste Vorteile im Shop kaufen kon­nte, und und und.

Seit zwei Monat­en ist das Spiel aus der Ear­ly Access-Phase draußen und manche Prob­leme wur­den behoben. Viele davon lei­der nur halb­herzig. Die Laten­zen sind bess­er gewor­den. Es ste­ht mit­tler­weile auch ein Serv­er in Frank­furt. Trotz­dem gibt es hin und wieder Lags. Und das obwohl häu­fig nur eine hand­voll Spiel­er online sind (teil­weise sind nur rund 100 Spiel­er online).

Auch das Tre­f­fer­feed­back ist schon etwas bess­er gewor­den. Trotz­dem noch kein Ver­gle­ich zu anderen Spie­len.  Die Pay2Win-Items wur­den aus dem Shop ent­fer­nt. Das Spiel gibts jet­zt auch auf Deutsch. Anson­sten bleibt Guardians of Ember aber ein schlecht­es Spiel. Sowohl tech­nisch als auch inhaltlich. Unver­tonte Zwis­chen­squen­zen. Schlechte Dialoge. Schlauch­lev­el. Beson­ders grausam sind die größeren Dun­geons in denen 95% Con­tent recy­cled wird und man an jed­er Ecke denkt, dass man hier schon­mal vor­beigekom­men wäre.Ich habe das Spiel jet­zt nach unge­fähr 15 Spiel­stun­den kom­plett an den Nagel gehängt.

Gerade die niedrigen Spielerzahlen sprechen wohl Bände. Und die Tatsache, dass das Spiel in Asien bereits gescheitert ist, auch.

Ich kann euch deswe­gen nur rat­en, einen großen Bogen um das Spiel zu machen.

Titan Quest Hängende Gärten

Titan Quest

*Trom­mel­wirbel* let­z­tendlich habe ich wieder mit Titan Quest ange­fan­gen. Kar­todis hat es auf Twit­ter schon gut for­muliert: Titan Quest ist ein­fach her­vor­ra­gend geal­tert. Das duale Skill­sys­tem ist toll — gibt mir Frei­heit­en bei der Skil­lung, ohne einen wie in Path of Exile zu erschla­gen. Die Grafik ist nach wie vor toll und das Set­ting unverbraucht.

Über­haupt ver­ste­he ich nicht, wieso es so wenig Spiele mit mythol­o­gis­chen Set­ting gibt. Ger­ade die mythis­chen Wesen sind doch die Urfor­men unser­er heuti­gen Mon­ster. Ger­ade die mythis­chen Epen sind doch — neben Herr der Ringe und Star Wars — die größten lit­er­arischen Meisterwerke.

Wieso gibts in den Jahren 2010–2017 statt Mythologie nur noch so eine Zombie- und Dämonenscheiße?

Vor einiger Zeit ist die Anniver­sary Edi­tion von Titan Quest erschienen. Die zock ich jet­zt wieder zusam­men mit mein­er Frau. Das spie­len auch zehn Jahre nach Release immer noch tausende von Spiel­ern. Die wis­sen halt was gut ist. Genaue Aus­führun­gen zum Spiel find­et ihr in mein­er Review (siehe Infokas­ten oben)